Spaziergang

Wer legte wann den ersten Stein?

Wer wüßte das! Wir befinden uns vor einem Dunkel, in das Schritt für Schritt Licht fällt, indem wir die wichtigsten historischen Fakten der Stadt und ihre imposanten Bauwerke betrachten.

Avilas Ursprünge verlieren sich im Geheimnis der Vorzeit. Wir befinden uns vor Fabeln und Legenden, treffen auf Feldlager, Befestigungswerke, Dolmen und verlassene Siedlungen. Ptolemäus sprach bereits über "Obila" als das Avila der Kelten. Dies bedeutet "Hügel".

Keltischer "Verraco" Jesús Sanchidrián. Avila Rural. "Rutas Mágicas"

 

In Avila treffen Sie auf einen großen Teil Geschichte der Iberischen Halbinsel – von den Kelten über die Römer, Goten, Mauren und finden Zeugnisse aus der Romanik, Gotik, Renaissance und dem Barock.

Was treffen wir heute an, in einer mittelalterlichen kastilischen Stadt des 21.Jahrhunderts? - Auf geht's, wir führen Sie ein wenig durch Avila. Ein Spaziergang, der unsere Sinne anregt:

 

Wenn wir Avila betrachten, glauben wir, eine uralte Ansichtspostkarte in den Händen zu halten - ein unbewegliches Bild, aber voller Leben.

Das erste was uns überwältigt, ist die weltberühmte Stadtmauer. Lassen wir sie ein paar Minuten auf uns einwirken. Diese gewaltige Granitkonstruktion scheint eine riesengroße Burg zu sein. Ihre Länge von 2526 m gestattet uns, diese entweder zu umrunden oder von Ihr die nahe Sierra sowie umliegende Landschaft zu betrachten.

Wenn Sie vor ihr stehen, haben Sie das Gefühl, daß sie den Himmel zu berühren scheint – zwölf Meter hoch und drei Meter dick. Sie wurde recht zügig zwischen 1090 und 1099 im romanischen Mudéjar-Stil erbaut.

Wir erklimmen sie und genießen von ihrer Höhe das karge kastilische Gebirgsland.

 

Stadttor "El Grande"

Eine Stadttour

Wir befinden uns nun vor einem der neun gewaltigen Stadttore. Wir erhalten Einlaß und bewegen uns durch die schmalen Gassen dieser Ritterstadt, zwischen dem Gewimmel von Kindern, dem angeregten Stimmengewirr der geschäftigen Einwohner.

Sehr schnell erhebt sich vor uns die Kathedrale - San Salvador -, ein weiteres Wahrzeichen der Stadt, die erste gotische Kathedrale Spaniens, aber gleich einer gewaltigen Festung. Ramón Pedrayo Otero schreibt in seinem Buch “Spaniens Geographie” über die Kathedrale von Avila: "Sie ist nicht hell und lächelnd wie die Toledos; sie ist nicht pompös wie die Sevillas; sie fasziniert nicht wie die Kathedrale von León, sie hat nichts Mystisches wie die Barcelonas. Die Kathedrale von Avila ist einfach stark und gewaltig. Sie streichelt nicht. Sie zwingt zur Meditation. In ihrem Innern schweben das Schwert und das Kreuz. Die Kathedrale ist eines der ausdrucksstärksten Bauwerke unserer mittelalterlich-christlichen Architektur."

Catedral

Was ist hier hinzuzufügen? Dieses gewaltige Bauwerk, das auch als Festung diente, ist in seinen ältesten Teilen noch romanisch, aber ansonsten bereits gotisch. Wir müssen es auf unsere Sinne wirken lassen!

Wir verlassen die Kathedrale, atmen einmal tief durch und gehen wieder durch das Tor des "Peso de la Harina" hinaus. Wir wollen nun vor einem der angenehmen Cafés ausruhen. Hier zeigt sich ein Avila von Terrassen, Sonnenschirmen, entspannt lachenden "Abulensern" (die Einwohner von Avila), die einen Schoppen Wein oder ein Glas Bier mit einem typischen "Pincho" (Tapa) - den unübertrefflichen abulensischen Appetithappen, die Sie hier kostenlos zu Ihrem Getränk erhalten. Avila entwickelt sich übrigens inzwischen zu einer der attraktivsten Tapas-Städte Spaniens (seit 1999 Austragungsort von Tapasmeisterschaften).

Der Blick richtet sich nochmals auf den Wehrgang der Kathedrale, auf ihre Türme und Zinnen, wo Dutzende von Störchen ihre Nester bewohnen. Nach einem letzten Schluck Ribera de Duero gehts weiter.

 
San Vicente

Wir gelangen zur Basilika San Vicente. Sie ist etwas Besonderes. San Vicente war eine der drei Schwur-Kirchen Spaniens.

Die Kunstkritik hat unzählige Bücher voll des Lobes über dieses imposante Bauwerks geschrieben. Wir finden uns vor zahlreichen Kostbarkeiten – u.a. dem "Pórtico de la Gloria", das Maestro Mateo zugeschrieben wird, Mischung von hieratischem Pathos und Lehrstunde der Skulptur.

In ihrem Innern finden wir das monumentale Grabmal der drei Märtyrer Vicente, Sabina und Cristeta - ein hervorragendes Beispiel des "arte-libro". Es gilt als Spaniens beste romanische Skulptur.

Wir wandeln nun über den in den Boden eingelassenen Grabsteinen (Verzeihung!), unter denen die sterblichen Überreste der hervorragendsten Familien des Abulenser Mittelalters liegen.

Wir verlassen nun dieses beeindruckende Bauwerk und betreten durch ein neues Stadttor den mittelalterlichen Stadtkern, in dem auch unsere Schule - ein legendenumrankter historischer Gasthof aus der gleichen Zeit - liegt.

Kopfsteinpflaster, ehrwürdige Paläste, keltische Stierfiguren aus Granit, Störche und tausende von lärmenden Schwalben hinterlassen auf uns einen unwirklich scheinenden Eindruck aus einer anderen Welt. Wir verlassen die Stadt wiederum durch ein weiteres Stadttor und befinden uns auf dem "Grande" (Plaza de Santa Teresa). Ein lebendiger, quirliger Platz, dominiert von den hohen Stadtmauern des Kastellabschnitts zur einen und der eleganten Fassade von San Pedro mit seiner riesigen Rosette zur anderen Seite. Von seinem Turm wurden die Namen der soeben Verstorbenen ausgerufen.

Auf der anderen Seite erheben sich die modernsten architektonischen “Kostbarkeiten“ der Stadt – die avantgardistischen gewagten Bauten von Moneo – dem Architekten der Kathedrale von Madrid.

Und nun schreiten wir auf der Südseite Avilas auf der wundervollen Rastro-Promenade. Das Gefühl, das sie vor allem bei nächtlicher Beleuchtung erfüllt, läßt sich nicht in Worte fassen – Sie müssen selbst auf diesem romantischem Abschnitt zwischen Kastell, Bischofspalast und dem legendenumwobenen Balkon von Doña Guiomar schreiten.

Lieber Besucher, welche Fülle von Kunst, Geschichte und Legenden treffen Sie in dieser kleinen Stadt an! Wir können fortfahren, die kuriosen erotischen Geschichten zu studieren, die uns die Kapitelle der Kirche San Andrés erzählen, den Mudéjar-Turm von San Martín bestaunen, oder die kleine Kirche Santa María vom Kopf besuchen - ehemalige Mezquita und Exorzistenkirche. Die Kirche San Segundo mit den Legenden von der Bärtigen Frau und dem berühmten Taschentuch und den drei Wünschen, San Esteban, San Nicolás, Santo Tomé, etc., etc.

            La "Lugareja" (Arévalo)          Artesonado mudéjar (Jesús Sanchidrián. Ávila Rural)

Ein paar Worte jedoch müssen wir einem Gebäudekomplex widmen, der etwas außerhalb der üblichen Touristenrouten liegt - Santo Tomás. Dieses Monument zur Erinnerung der Einnahme Granadas mit seinen zahlreichen Klostergängen, monumentalen Gräbern, dem Palast der Katholischen Könige und dem Renaissance-Grab des letzten spanischen Königs vor Ankunft der Habsburger ist gleichzeitig der Ort, an dem die herausragendste Figur der "Schwarzen Legende" Spaniens begraben liegt - Torquemada.

Palast der Reyes Católicos (Santo Tomás)

"Avila der Ritter", "Avila des Kindkönigs", "Avila der Heiligen Teresa" - eine Stadt von Geschichte, Legenden, Charakter. Teresa von Avila, Schriftstellerin und herausragende Gestalt der Katholischen Kirche bedeutet gleichzeitig die höchsten Gipfel der spanischen Literatur. Wer war diese Teresa? Antworten auf diese Frage gibt die Theresianische Route: Wir brechen auf bei ihrem Geburtshaus, wandern weiter zum Fleischwerdungskloster und besuchen das Kloster der Madres. Der Konvent Santa María de Gracia ist eine weitere wichtige Station, um Leben und Werk der “Heiligen“ kennenzulernen.

Palast von Nuñez Vela

Wir könnten unzählige Routen hinzufügen, zum Beispiel, um das mittelalterliche Avila detailliert kennenzulernen, die Route der Romanik in Avila, es wartet auf Sie die Route der Kelten, der Kaiser, eine Route typischer Produkte, die Route der Legenden und viele mehr.

Oder Sie ruhen sich einfach aus, trinken eine Tasse Kaffee oder quartieren sich gar ein in einem der Paläste, wo auch so berühmte Figuren der Weltgeschichte wie Karl V. oder Philipp II. wohnten. Aber der wohl größte Anreiz, einen der über 50 Paläste Avilas zu besuchen, ist der Palast der Aguila aus dem 16.Jahrhundert, der ehemalige Wohnsitz der unlängst verstorbenen Herzogin von Valencia: die neue Depedenz des Madrider Prado-Museums in Avila!

Und so sind wir bereits auf der Route der Paläste, Ausdruck der Stärke, edler Eleganz und Ritterlichkeit. Hochmut, italianisierende Elemente, aber auch Kargheit sprechen zu uns.

Suchen Sie Ruhe, aber nicht Langeweile,
           
Kunst aber nicht Ermüdung,

Möchten Sie lesen, aber nicht studieren,

Speisen ohne zuzunehmen,

Haben Sie Lust auf Fiestas, aber nicht auf stupide,

Auf Sonne, aber ohne vor Schweiß zu triefen -

Möchten Sie lernen und kommunizieren? - 

 

Avila erwartet Sie!

Velada-Palast